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Kunstsammlung der Goethe-Universität – Universitätsarchiv Frankfurt
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Uhr nach Entwürfen von Ferdinand Kramer

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Signatur

Kramer-Sammlung

Urheber

Hersteller: NT

Datierung

1950er-Jahre

Maße

Ø 43 cm

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Uhr nach Entwürfen von Ferdinand Kramer

© Uwe Dettmar

Im Takt des Alltags

von Anne Uhl

Jahrzehntelang begleitete die sogenannte „Kramer-Uhr“ den Alltag von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden der Goethe-Universität: Sie hing in nahezu allen Räumen des Bockenheimer Campus und gab zeitliche Orientierung. Entworfen wurde sie von dem Designer und Architekten Ferdinand Kramer (1898 – 1985), der maßgeblich am Wiederaufbau des Campus Bockenheim in der Nachkriegszeit beteiligt war. Von Mai bis Juli 2026 war die Uhr als Teil der Ausstellung „Who cares?“ im Schopenhauer-Studio zu sehen.

Die von dem Hersteller NT produzierte Funk-Uhr stammt aus den 1950/60er Jahren. Ihr schlichtes Design ist typisch für den funktionalistischen Stil Kramers. Doch nicht nur die Uhr, auch viele weitere Einrichtungsgegenstände und Gebäude, die lange im Frankfurter universitären Alltag präsent waren, wurden von Ferdinand Kramer entworfen.

Ferdinand Kramer war Architekt, Designer und Vertreter des Funktionalismus. Er wuchs in Frankfurt am Main auf und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg studierte er Architektur und ging 1919 ans Weimarer Bauhaus, blieb jedoch nicht lange, da es dort damals noch keine geregelte Ausbildungsmöglichkeit gab. 1922 macht er seinen Abschluss an der Technischen Hochschule München. Nach seinem Studium entwarf er zunächst in Frankfurt kleinere Möbel und Gebrauchsgegenstände aus Metall, wie etwa den vielfach produzierten „Kramer-Ofen“.

Als Designer und Architekt prägte er unter Ernst May in den 1920er Jahren das „Neue Frankfurt“ mit, ein Stadtplanungsprogramm, welches die akute Wohnungsnot in Frankfurt bekämpfen sollte. Kramer entwarf dafür kombinierbare Möbel, die – typisch für das Neue Frankfurt - im funktionalen Stil entworfen sowie günstig zu erwerben waren. Außerdem wirkte er als Architekt am Bau der Siedlung Westhausen mit.

Im Nationalsozialismus wurde ihm 1937 ein Berufsverbot erteilt und seine Arbeiten als „entartete Architektur“ gebrandmarkt, weshalb er 1938 seiner jüdischen Frau Beate in die USA folgte. Dort lebte und arbeitete er in New York. Im Jahr 1952 kehrte er auf Bitten des damaligen Universitätsdirektors Max Horkheimers nach Frankfurt zurück und wurde dort Baudirektor der Goethe-Universität, um bei dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstörten Universitätsviertel in Bockenheim zu helfen.

In seiner Zeit als Leiter des universitären Bauamts (1952-1964) entwarf er gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden 23 Universitätsbauten und prägte damit den Bockenheimer Campus nachhaltig. Im Rahmen dessen entwarf er auch detailliert weite Teile der Innausstattung, wie Möbel, Türzargen, und andere Einrichtungsgegenstände, darunter auch die Kramer-Uhr.

Kontrovers war seine Entscheidung, den neobarocken Eingang des Jügelhauses durch einen gläsernen und größeren Eingang zu ersetzen. Er sollte ein „Symbol für die Öffnung der Universität für jedermann“ (Weyel 1994/ 2026) sein. Mit seinem Wirken führte er somit die Werte der Neuen Moderne, „wie Massentauglichkeit, Egalisierung, Demokratisierung, aber auch Aktivierung der Nutzer*innen“ (Dauss 2023) fort. Sein Ansatz kann auch als Reaktion auf den Nationalsozialismus und sinnbildlich für einen demokratischen Neuanfang der Frankfurter Universität nach dem Zweiten Weltkrieg verstanden werden.

1964 erfolgte Kramers Pensionierung. Die Stadt- und Universitätsbibliothek, heute die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, stellte er 1965 als freier Architekt fertig. Sie galt damals als eine der modernsten Bibliotheken Europas. Kramer setzte noch einige Bauten um, bevor er 1985 in Frankfurt starb.

Die Uhr nach den Entwürfen Kramers ist Teil der Kunstsammlung der Universität Frankfurt. Sie war bereits in der Jubiläumsausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität“ 2014/15 zu sehen, und dokumentiert somit einen Teil der Universitätsgeschichte. 2026 war die Kramer-Uhr Teil der Ausstellung „Who cares?“ im Schopenhauer-Studio zu sehen. Hier sollte sie die enge Verbindung von Zeit und Care, also Fürsorge, sichtbar machen.

Neben den Fragen zur Care-Arbeit und Zeitgestaltung wirft die Uhr auch Fragen zu Zeitlichkeit, wie etwa zu den Rhythmen des Alltags und der Zeitlichkeit unserer Gegenwart auf.

Sie regt dazu an, über das Vermächtnis Kramers und den Fortbestand des Bockenheimer Campus nachzudenken. Kramers Bauten und Designs, wie die Kramer-Uhr, prägen weiterhin den Bockenheimer Campus. Schließlich symbolisiert die Uhr und ihre Verwobenheit mit der Universitätsgeschichte auch die Frage, was mit dem Campus Bockenheim, der als Standort der Universität nach und nach aufgegeben wird, in Zukunft passieren wird.

 

Dieses Objekt war in der Jubiläumsausstellung "Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität" 2014/2015 und in der Ausstellung "Who cares?" 2026 zu sehen. 

Dieser Text ist im Rahmen der Kategorie "Objekt des Moments" des Newsletters "Leporello" der Sammlungskoordination und Universitätssammlungen an der Goethe-Universität entstanden.

Anne Uhl ist Masterstudentin in Politikwissenschaft und studentische Hilfskraft in der Sammlungskoordination an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Literatur

Markus Dauss (2023): „Ferdinand Kramers Frankfurter Hochschularchitektur“. In: KUNSTGESCHICHTE. Open Peer Reviewed Journal, 08.05.2023. Online verfügbar unter https://www.kunstgeschichte-ejournal.net/606/3/Dauss_final2.pdf

Birgit Weyel (1994/ 2026): Kramer, Ferdinand. Online verfügbar unter https://frankfurter-personenlexikon.de/node/36

Ferdinand-kramer.org (2026): Vita. Online verfügbar unter http://www.ferdinand-kramer.org/vita.html

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Über die Plattform


Entstehungskontext der Plattform

Die Plattform wurde von der Studiengruppe "sammeln, ordnen, darstellen" am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften entwickelt und im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der Goethe-Universität im Jahr 2014 eröffnet. Ihr Aufbau war eng mit der Ausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität“ verknüpft, die von Oktober 2014 bis Februar 2015 im Museum Giersch der Goethe-Universität zu sehen war. Viele der Objekterzählungen waren auch in der Ausstellung zu lesen und sind im Katalog abgedruckt worden; viele Ausstellungstexte haben wiederum den Weg in die Plattform gefunden. Ebenso wurden die auf der Plattform gezeigten Filme sowie viele der Fotografien eigens für die Ausstellung produziert.

Leitung der Studiengruppe und Herausgabe der Plattform

Dr. Judith Blume (heute: Koordinatorin der Sammlungen an der Goethe-Universität)
Dr. Vera Hierholzer (bis 2018; heute: Direktorin des Museums für Industriekultur in Osnabrück)
Dr. Lisa Regazzoni (bis 2020; heute: Professur für Theorie der Geschichte an der Universität Bielefeld)

Betreuung der Plattform

Sammlungskoordination der Goethe-Universität
Universitätsbibliothek Johann-Christian-Senckenberg
sammlungen@uni-frankfurt.de

Programmierung

Sven Winnefeld
www.winkin-verlag.de

Design

FGS Kommunikation – Steffen Grzybek, Martin Schulz GbR
www.fgs-kommunikation.de

Developed By

Jatinkumar Nakrani
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Github

Team der Jubiläumsausstellung "Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität" von 2014

Dr. Charlotte Trümpler (Projektleitung und Kuratorin; Autorenkürzel: CT)
Dr. Judith Blume (Kuratorin, Autorenkürzel: JB)
Dr. Vera Hierholzer (Kuratorin, Autorenkürzel: VH)
Dr. Lisa Regazzoni (wissenschaftliche Mitarbeit, Autorenkürzel: LR)

Fotografien

Die Fotografien wurden von den einzelnen Sammlungen oder Autoren zur Verfügung gestellt sowie von Tom Stern (Sammlungsräume und Objekte), Uwe Dettmar (Objekte) und Jürgen Lechner (Objekte) angefertigt. Die Nachweise finden Sie bei den entsprechenden Abbildungen. Sollte trotz sorgfältiger Recherche ein Rechteinhaber oder Fotograf nicht genannt sein, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis.

Filmproduktion

Sophie Edschmidt (Regie und Schnitt)
Philipp Kehm (Kamera)
Philipp Gebbe (Musik)
Dr. Charlotte Trümpler (Idee und Beratung)

Finanzierung