Anschrift

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main
Afrika Sammlungen
Freimannplatz 1
60325 Frankfurt am Main
http://www.ub.uni-frankfurt.de/afrika
https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/kolonialesbildarchiv

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Webseite und Kontakt zur Neuerschließung:
https://vabiko.eu/
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Dr. Aïsha Othman
Tel.: (069) 798-39246
a.othman@ub.uni-frankfurt.de

Christina Sokol
Tel.: (069) 798-39247
c.sokol@ub.uni-frankfurt.de

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Bildbestand aus Kolonialen Kontexten – Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg

1948 übernahm die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt neben der ehemaligen Bibliothek des Reichskolonialbundes (RKB) Berlin auch den fotografischen Bestand der „Bildstelle“ des RKB mit ca. 45.000 fotografischen Bildträgern.

Sowohl die Restaurierung und Konservierung der Originale, sowie die (Neu-) Digitalisierung, Erschließung und Präsentation im lokalen (OPAC) und in überregionalen Portalen (z.B. Europeana) dienen als Grundlage für die wissenschaftliche Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte anhand dieser historischen Bestände. Zwischen 2025 und 2027 wird der Bildbestand neu erschlossen und wird ab 2028 in einem neu gestalteten Onlineportal präsentiert:
https://vabiko.eu/

Gesamtzahl der fotografischen Objekte: ca. 62.000 digital vorhandene Fotografien, davon 45.000 physisch vorhandene Bildträger

Objektgattungen: Glasplattennegative, Diapositive auf Glas und Film, Filmnegative und Positivabzüge

Datierung der Objekte: 1870er bis 1980er Jahre

Erfassung:

Ab 1995 wurde der Bildbestand so weit wie möglich erschlossen und mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu großen Teilen mikroverfilmt und digitalisiert: https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/kolonialesbildarchiv

1891 hatte die Geschäftsstelle der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ (DKG) in Berlin begonnen, den Grundstock zu einer Bildsammlung für Propagandazwecke zu legen. Mitglieder stellten der DKG Originale oder Kopien ihrer fotografischen Aufnahmen zur Verfügung. Zu den Fotos wurden Vortragsmanuskripte ausgearbeitet, die mit entsprechendem Bildset und Projektor ausgeliehen werden konnten. So war es Mitgliedern der Koloniallobby möglich, eigenständige Diavorträge als Abendveranstaltung oder als Vorprogramm von Kinofilmen zu halten. Neben der Publikation der Bilder in vereinseigenen Zeitschriften, waren diese Veranstaltungen eine der Hauptformen der Propagandaarbeit des größten und einflussreichsten Interessenverbands der deutschen Kolonialbewegung.

1936 assimilierte der Reichskolonialbund (RKB) des NS-Regimes die DKG und erweiterte den Bildbestand erheblich. Nach 1943 wurde die Sammlung zusammen mit der Bibliothek und Archivbeständen des RKB in ein Depot an der hessisch/thüringischen Grenze ausgelagert, dort nach Kriegsende von amerikanischen Truppen sichergestellt und 1948 der damaligen Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt übereignet. Ab 1995 wurden an die zwanzig zusätzliche Privatsammlungen und rund 15.000 digitalisierte Fotografien der Sam Cohen Bibliothek in Swakopmund/Namibia in den Bildbestand integriert. Um diesem Umstand gerecht zu werden, wird die Sammlung seit 2025 als „Bildbestand aus kolonialen Kontexten“ bezeichnet.

Die Fotografien machen die Zeit des Kolonialismus und darüber hinaus in vielen Dimensionen und regionalen Ausdehnungen sichtbar, da DKB und RKB auch zu nicht-deutschem Kolonialismus Stellung bezogen. Aus Sicht der ursprünglichen Sammlungsinstitutionen beziehen sich viele der Bilder thematisch auf die angebliche kulturelle und wirtschaftliche „Entwicklung“ der deutschen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent, in Ozeanien, in China und darüber hinaus.

Hinweis und Triggerwarnung

Fotografiert haben in den meisten Fällen die Kolonisierenden. Weiße und Schwarze Menschen stellten sie unterschiedlich dar. Stereotype und rassistische Bildsprache macht die Kolonisierten zu vermeintlich „Anderen“. Für manche Nutzer*innen können Bildinhalte daher verletzend und traumatisierend sein. Trotz rassistischer Sicht- und propagandistischer Verwendungsweisen stellt die Sammlung einzigartiges Quellenmaterial zu historischen Ereignissen und Entwicklungen dar.
Diesen Umständen wird in der Neuerschließung des Bestands besonders Sorge getragen, um einer Balance zwischen ethischer Verantwortung und Transparenz in der Präsentation gerecht zu werden.

Literatur

Hartmut Bergenthum: „Ozeanien“ und „Afrika südlich der Sahara“. Zwei Sammlungen in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main mit bundesweitem Versorgungsauftrag, in: Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte, 8. Jg. 2008, S. 239–252.

Wilhelm R. Schmidt: Des Kaisers neue Kolonien, in: forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2007, Heft 1, S. 8–13.

Uwe Ulrich Jäschke (Hg.): 15 Jahre „Koloniales Bildarchiv“ an der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Dresden 2004, http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/886.

Irmtraud Dietlinde Wolcke-Renk: Afrika südlich der Sahara (SSG 6,31): aus der Afrika-Abteilung der Stadt-und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Frankfurt a. M. 2004, S. 43–61.

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Über die Plattform


Entstehungskontext der Plattform

Die Plattform wurde von der Studiengruppe "sammeln, ordnen, darstellen" am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften entwickelt und im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der Goethe-Universität im Jahr 2014 eröffnet. Ihr Aufbau war eng mit der Ausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität“ verknüpft, die von Oktober 2014 bis Februar 2015 im Museum Giersch der Goethe-Universität zu sehen war. Viele der Objekterzählungen waren auch in der Ausstellung zu lesen und sind im Katalog abgedruckt worden; viele Ausstellungstexte haben wiederum den Weg in die Plattform gefunden. Ebenso wurden die auf der Plattform gezeigten Filme sowie viele der Fotografien eigens für die Ausstellung produziert.

Leitung der Studiengruppe und Herausgabe der Plattform

Dr. Judith Blume (heute: Koordinatorin der Sammlungen an der Goethe-Universität)
Dr. Vera Hierholzer (bis 2018; heute: Direktorin des Museums für Industriekultur in Osnabrück)
Dr. Lisa Regazzoni (bis 2020; heute: Professur für Theorie der Geschichte an der Universität Bielefeld)

Betreuung der Plattform

Sammlungskoordination der Goethe-Universität
Universitätsbibliothek Johann-Christian-Senckenberg
sammlungen@uni-frankfurt.de

Programmierung

Sven Winnefeld
www.winkin-verlag.de

Design

FGS Kommunikation – Steffen Grzybek, Martin Schulz GbR
www.fgs-kommunikation.de

Developed By

Jatinkumar Nakrani
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Github

Team der Jubiläumsausstellung "Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität" von 2014

Dr. Charlotte Trümpler (Projektleitung und Kuratorin; Autorenkürzel: CT)
Dr. Judith Blume (Kuratorin, Autorenkürzel: JB)
Dr. Vera Hierholzer (Kuratorin, Autorenkürzel: VH)
Dr. Lisa Regazzoni (wissenschaftliche Mitarbeit, Autorenkürzel: LR)

Fotografien

Die Fotografien wurden von den einzelnen Sammlungen oder Autoren zur Verfügung gestellt sowie von Tom Stern (Sammlungsräume und Objekte), Uwe Dettmar (Objekte) und Jürgen Lechner (Objekte) angefertigt. Die Nachweise finden Sie bei den entsprechenden Abbildungen. Sollte trotz sorgfältiger Recherche ein Rechteinhaber oder Fotograf nicht genannt sein, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis.

Filmproduktion

Sophie Edschmidt (Regie und Schnitt)
Philipp Kehm (Kamera)
Philipp Gebbe (Musik)
Dr. Charlotte Trümpler (Idee und Beratung)

Finanzierung